Wolfgang Welt – Schreiben aus einer zerrissenen Stadt

Do 19. November 2020

20:15 Uhr

Kategorie:Lesung
Raum:Online Veranstaltung
Veranstalter: wortwortwort
Einlasszeit: 00:00
Ende: Do 19. November 2020 21:45
Wolfgang Welt – Schreiben aus einer zerrissenen Stadt

Achtung: Online Veranstaltung

Der gefeierte Bochumer Schriftsteller Wolfgang Welt schrieb intensiv über Arbeit, Fußball und Leben im Ruhrgebiet – eine »grundandere Art von Geschichtsschreibung«, wie Literaturnobelpreisträger Peter Handke über Welts Werk sagt. Wolfgang Welt, 1952 geboren und 2016 gestorben, hat den Riss, den Strukturwandel, der durch Bochum ging, erfahren und erlebt. Dieser Riss zwischen den Zeiten und Welten ging auch durch seine Seele und seinen Körper. Das Alte und das Neue, alte Arbeit und neue Hoffnungen, Aufbruch und Stillstand rissen an ihm und zerrissen ihn schließlich. Sehnsucht und Unruhe trieben ihn, doch die Wilhelmshöhe hielt ihn.

Einen Strukturwandel später sprechen Bochumerinnen und Bochumer diese Texte ein. Ihre Gesichter und Stimmen führen in einer digitalen Produktion von Gotthard Lange durch Welts Textlandschaften. Am 19.November wird der Film online präsentiert. Darin folgt man ihm durch die Straßen von Bochum, über die Wilhelmshöhe, von Langendreer in die City, vom Plattenladen ins „Appel“, das später „Zwischenfall“ hieß und ein legendärer Musikclub wurde. Wir gehen mit ihm in die “Zeche“ und treffen den jungen Grönemeyer, gehen mit bis zum Sportplatz zurück auf die Wilhelmshöhe, dorthin, wo alle Wege enden und beginnen, und wo er hingehörte, bis zum Schluss. 

Wolfgang Welt war zukunftsweisend, als Gonzo-Journalist in der Musik- und Theaterkritik und mit seiner Mischung aus Free Writing und Oral History als möglicher »Urvater« der deutschen Popliteraten. Das Projekt trägt ihn und seine Texte aus der künstlerischen und gesellschaftlichen Vergangenheit Bochums ein Jahr vor ihrem 700-jährigen Jubiläum in eine neue mediale Zukunft: digital, social und partizipativ. Denn dort gehörten die intimen, subjektivistischen, radikalen und durchaus auch problematischen Impressionen aus seinem und unserem Leben schon immer hin.